Lösungen von der Vision zur Umsetzung
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Der Cloud, also SaaS- und On-Demand-Modellen, gehört ein großes Stück der Software-Zukunft. Schon jetzt krempelt der Einfluss der Wolke Geschäftsmodelle im Systemhausumfeld um. SAP ist auf den Branchentrend mit Business By Design (ByD) aufgesprungen. Bislang verzögert sich die Einführung im Volumengeschäft allerdings erheblich. Dennoch heißt es keineswegs »Bye ByD«, ist man bei den Wirtschaftsinformatik-Spezialisten der Ibis Prof. Thome AG überzeugt. Die Gründe legen die beiden Vorstände der Aktiengesellschaft, Dr. Wolfgang Walz und Dr. Andreas Hufgard, im Gespräch mit IT-BUSINESS dar.
ITB: In einer Stellungnahme verteidigte Ihr Unternehmen das neue Mittelstandsprodukt SAP Business ByDesign, das nach etlichen Verzögerungen bei der Markteinführung auch 2009 noch nicht im Volumengeschäft vertrieben wird und nicht mehr aus den Negativschlagzeilen kam. Warum?
Walz: Wir sind fest davon überzeugt, dass Produkten wie SAP Business ByDesign die Zukunft gehört. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zwei Punkte möchte ich jedoch besonders hervorheben. Erstens ist ByD eine komplett service-orientierte Software. Zweitens ist sie eine der ersten Lösungen, die einen nahezu kompletten ERP-Funktionsumfang als On-Demand-Lösung zur Verfügung stellt. SAP hat somit ein Produkt entwickelt, das zwei für Unternehmen zukünftig wichtige Themen bereits beherrscht. Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Produkts ist aber, dass SAP die Software erst dann auf den Markt bringt, wenn die Betriebskosten niedrig sind und sich das On-Demand-Modell für alle Beteiligten rechnet. Und dies dauert länger als geplant.
ITB: Wie werden SaaS- und On-Demand-Modelle das Tagesgeschäft von Systemhäusern und Wirtschaftsinformatikern verändern?
Hufgard: Unserer Meinung nach wird nicht das SaaS- oder das On-Demand-Modell das Tagesgeschäft dramatisch verändern, sondern die Software, die hierfür verwendet wird. Wirtschaftsinformatiker müssen sich künftig häufiger und intensiver mit den Anwendern über Prozesse und Verfahren unterhalten, um diese gemeinsam mit den Fachabteilungen permanent verbessern zu können. Kontinuität ist wichtig und nicht die einmalige Zusammenarbeit bei einer Software-Einführung. Darüber hinaus werden »Handwerker«, die genau wissen welche Systemeinstellungen vorzunehmen sind, künftig nicht mehr benötigt. Die Systemeinstellungen werden dann automatisch über regelbasierte Werkzeuge erfolgen.
ITB: Woran wird bei diesen Modellen verdient?
Walz: Nach wie vor werden auch bei diesen Modellen die Einnahmen mit Software-Lizenzen und Dienstleistungen erzielt. In der Beratung werden sich die Leistungen und Inhalte jedoch dramatisch verändern. Auf der Software-Seite werden die Systemhäuser zukünftig über zusätzliche Lösungen und Services Geld verdienen. Das können ergänzende Inhalte oder Funktionen bis hin zu ganzen Geschäftsprozessen für bestimmte Geschäftsmodelle mit operativem Outsourcing sein, die der Software-Hersteller nicht mitliefert. Ein erfolgreiches Beispiel aus einem anderen Bereich ist der Apple-Store. Dieser bietet unendlich viele Anwendungen von Drittanbietern für das iPhone. Beispielsweise können Sie über einen Voice-Recorder Ihr Diktat an einen Sekretärinnen-Dienst übermitteln. So ungefähr stellen wir uns das in der Zukunft mit On-Demand-Modellen wie SAP Business By Design vor.
ITB: Welche Probleme sehen sie in Bezug auf die externe Datenhaltung. Beim SaaS-Modell von Microsoft beispielsweise werden die Kundendaten außerhalb der Bundesrepublik gehalten. Bei Google verlassen sie womöglich sogar die EU.
Walz: Den Ort der Datenhaltung, soweit dies keine steuerlichen Auswirkungen hat, sehen wir als völlig unkritisch. Die entscheidende Frage ist: Wie sicher sind meine Daten? Jedes mittelständische Unternehmen, das einmal ein solches SaaS-Rechenzentrum besichtigt hat, wird einsehen, dass es vergleichbare Sicherheitsstandards selbst nie erfüllen könnte. Aus unserer Sicht führen SaaS-Modelle daher eher zu einer Erhöhung der Datensicherheit.
ITB: Die Ibis Prof. Thome AG könnte man als Systemhaus mit Schwerpunkt auf betriebswirtschaftlicher Software bezeichnen. Etwas exotisch wirkt allerdings die Tatsache, dass von den 36 Mitarbeitern die Hälfte promoviert und am Unternehmen beteiligt ist. Ist das Unternehmen ein Auffangbecken für Würzburger Uni-Absolventen?
Walz: Nein, das sicherlich nicht. Wir sind eine Denkfabrik, die Ergebnisse aus der Forschung aktiv in die Praxis überführt und umgekehrt. In den USA sind solche forschungsnahen Think Tanks sehr beliebt und weit verbreitet. Leider hat sich dieses Erfolgsmodell in Deutschland bisher noch nicht durchgesetzt. Es gibt hier viel zu wenige Universitäts-Ausgründungen; der Austausch von Wissenschaft und Praxis wird kaum gelebt. Wir haben durch die Verbindung von Betriebswirtschaft und Informatik, insbesondere im SAP-Umfeld, ganz klar eine Vorreiterrolle in Deutschland. In den vergangenen 15 Jahren konnten wir viele Forschungsvorhaben vorantreiben und dieses Know-how in über 500 Anwenderprojekten in die Praxis übertragen. Als wissensorientiertes Unternehmen brauchen wir hochqualifizierte Mitarbeiter, gerne auch mit Promotion. Und diese wollen wir langfristig an unser Unternehmen binden. Denn gerade komplexe Forschungsthemen, wie wir sie vorantreiben, erfordern ein hohes Maß an Kontinuität. Deshalb haben wir uns für eine Mitarbeiterbeteiligung entschieden.
ITB: Was sind die Hauptgeschäftsfelder der Ibis Prof. Thome AG?
Hufgard: Das Geschäftsmodell von IBIS beruht auf drei Säulen: der Software- und Toolentwicklung, der Projektberatung und der Analyse von Geschäftsprozessen. Die erste Säule umfasst betriebswirtschaftliche Inhalte, die wir im Rahmen einer Methodik zu einem Werkzeug zusammenführen. Beispielsweise haben wir die SAP-Einführungstools für Siemens und die Business Konfiguration für SAP Business ByDesign entwickelt. Die zweite Säule bilden unsere Beratungsleistungen. Wir bieten Unternehmen und Organisationen eine umfassende Projektberatung, begleiten deren Projekte methodisch und übernehmen auch das Projektcontrolling. Die dritte Säule ist der Bereich Analyse produktiver SAP-Systeme mittels unserer RBE-Werkzeuge für das Anwendungsmanagement und effizientere SAP-Projekte. Eine intelligente Prozessanalyse ist unsere jüngste Innovation. Dabei unterstützen wir Unternehmen, ihre Geschäftsprozesse zu überprüfen und Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren.
ITB: Das Unternehmen beschäftigt sich stark mit der Einrichtung einer regelbasierten Betriebswirtschaft – was ist darunter zu verstehen?
Hufgard: Eine regelbasierte Betriebswirtschaft stützt sich auf die Zusammenhänge und Regeln hinter den Strukturen und Abläufen eines Unternehmens. Um diese zu erkennen müssen Betriebswirtschaftslehre und Informationstechnologie zusammenarbeiten. Wir nutzen diese Regeln, um Geschäftsprozesse zu durchleuchten und Verbesserungsmöglichkeiten aufzudecken. Die entscheidende Frage ist für uns dabei: „Wie kann ein Unternehmen das Maximum aus einer Software herausholen oder die Software so schnell für die eigenen Zwecke adaptieren, dass ein möglichst hoher Nutzen erzielt wird?“ Diese Regelbasis sammeln wir seit über 15 Jahren.
Dieses Interview ist am 09.04.2009 im Informationsportal IT-Business 04/2009 erschienen (Redakteur: Stefan Riedl).
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»Dr. Andreas Hufgard referiert zum Thema "Verbesserung IT-getriebener Geschäftsprozesse in der Logistik"
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